IHRE FRAGEN - Die neue Krebsvorsorge
Die neue Krebsvorsorge - Alle Änderungen ab dem 1. Januar 2020 auf einen Blick
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IHRE FRAGEN

Bin ich durch die neue zusätzliche HPV-Diagnostik besser versorgt?


  1. Die HPV-Untersuchung bietet einen zusätzlichen Hinweis auf einen Infekt, der zu Zellveränderungen führen kann, aber in Wirklichkeit nur selten zu einer
    Krebserkrankung führt (Schnupfen des Gebärmutterhals)
  2. Die meisten HPV- Infektionen heilen nach einer gewissen Zeit von alleine aus.
  3. Nur wenn derselbe HPV -Virustyp über jahrelang bestehen bleibt und Zellveränderungen im zytologischen Abstrich bemerkt werden, muss der Arzt entscheiden,
    ob weitere Kontrollen erforderlich sind oder eventuell die Entnahme einer Gewebeprobe vom Gebärmutterhals erforderlich ist.
  4. Daher kann es auch wichtig sein, eine genaue HPV-Typenbestimmung vorzunehmen.
  5. Sofern sich der Virus innerhalb der sogenannten Risikogruppe (einem Pool von HPV-Typen) befindet, kann es sinnvoll sein, den genauen Typ durch eine weitere,
    selbst zu bezahlende Untersuchung (HPV-Typisierung) herauszufinden.
  6. Die aktuellen Richtlinien sehen vor, dass unter gewissen Bedingungen bei spezialisierten Einrichtungen ( Kolposkopiesprechstunden / Dysplasiezentren ) eine
    Kolposkopie, eine Art Lupenbetrachtung des Gebärmutterhals durchgeführt wird.
  7. Es gibt auch Zellveränderungen in Krebsvorstufen, die nicht durch den HPV Virus hervorgerufen werden.
  8. Entscheidend ist nicht, ob Sie einen HPV- Infekt haben, sondern ob sich die Zellen des Gebärmutterhalses verändert haben.
  9. Daher ist die Untersuchung der Gebärmutterhalszellen durch die zytologische (Zell-) Untersuchung unverändert von zentraler Bedeutung.

Reicht der Drei -Jahresrhythmus für die Entnahme des Zellabstriches aus, wenn die HPV-Untersuchung gemacht wurde und negativ ausgefallen ist?


  1. Nach Literatur sind etwa 10-15 % der ernsthaften Zellveränderungen, die auch zu einer bösartigen Veränderung führen können, nicht durch einen HPV -Infekt verursacht.
  2. Studien haben gezeigt, dass bei 30 % der später aufgetretenen Erkrankungen vor Erkennung einer ernsthaften Zellveränderungen noch 27 Monate zuvor kein HPV-Virus nachgewiesen werden wurde. Selbst bei zytologisch bereits nachweisbaren Vorstadien einer Krebserkrankung kann das HPV-Testergebnis negativ ausfallen.
  3. Das spricht dafür, dass in Abhängigkeit vom HPV- Virustyp und der Immunitätslage der Patientin schwerwiegende Zellveränderungen in einem kürzeren Zeitraum als über drei Jahre entstehen können.
  4. Weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass in einer großen Zahl von Fällen nur zwei Jahre vergehen zwischen dem ersten Auftreten einer Zellveränderung und einer schwerwiegenderen Zellveränderung (Carcinoma in situ- einer unmittelbaren Krebsvorstufe, die entfernt werden sollte).


Daher hat sich die jährliche Untersuchung der Gebärmutterhalszellen (zytologischer Abstrich) als richtiger und sicherer Weg bewährt.

Warum wurde das Dreijahresintervall als neues Vorsorgemodell in Deutschland eingeführt?


Bisher:

  • Deutschland hat als eines der ersten Länder vor vielen Jahren eine Krebsvorsorge mit jährlichen Intervall eingeführt.
  • Dieses hat sich sehr bewährt.
  • Die Zahl der Gebärmutterhalskarzinome konnte drastisch gesenkt werden.
  • Die meisten Karzinome, die wir heute noch registrieren, sind von Patientinnen verursacht, die über mehrere Jahre nicht die Vorsorge wahrgenommen haben und
  • Karzinome bei denjenigen Patientinnen, die die Vorsorge wahrgenommen haben, werden in der Regel das Karzinom in einem ganz frühen Stadium festgestellt.
  • Etwa 40.000 Zellveränderungen werden in einem gutartigen Vor-Stadium (CIN 3-Läsion, schwere Dysplasie oder CA in situ genannt) früh genug erkannt und mit einem kleinen Eingriff ( der Konisation) geheilt.


Warum die neue Regelung?

  • Im Rahmen einer politischen EU- Entscheidungsfindung wurde ein „Mittelwert“ für eine europäische Empfehlung zur Krebsvorsorgeuntersuchung gesucht.
  • Hierbei hat man sich auf ein Untersuchungsintervall von drei bis fünf Jahren geeinigt für Fruen ab dem 30. bis 35. Lebensjahr.
  • Daraufhin einigte man sich politisch in Deutschland im Rahmen der EU-Angleichung auf einen Dreijahres-Rhythmus für Frauen aab dem 35. Lebensjahr.
  • Zur Effizienz dieses Dreijahres-Rhythmus im Vergleich zu unserem bisherigen deutschen jährlichen Intervall gibt es keine in großen Feldstudien belegten Daten.


Kontrolle der Effektivität – Sicherheit der Patientinnen
Deshalb sollte das neue Modell auch zunächst für sechs Jahre eingeführt und geprüft werden, um sodann eine weitere Bewertung für die Zukunft durchzuführen.

Problem:

  • In Deutschland gibt es bisher keine einheitliche Datenbasis bis auf einige regionale Register.
  • Für den jetzt kommenden Zeitraum konnten sich die Verantwortlichen in Gesundheit und Politik bisher nicht einigen, wie die Effizienz und Effektivität dokumentiert werden soll.
  • Eine Überprüfung und Dokumentation der Effektivität werden verhindert sowohl durch den Datenschutz als auch Kompetenzschwierigkeiten der Institutionen in Politik und Gesundheit.
  • In allen Bereichen soll die evidenzbasierte Entscheidungsfindung die Patienten absichern vor einer Verschlechterung der Vorsorgesituation.
  • Gerade in dem wichtigen Bereich der Krebsvorsorge wird hier eine politische Willensfindung ohne dokumentierte Wissenschaftlichkeit durchgedrückt


Wir raten daher:

  • Lassen Sie die zytologische Abstrichkontrolle auch in Zukunft jährlich durchführen.
  • Nehmen Sie auch insbesondere die vollständige Vorsorgeuntersuchung jährlich wahr.
  • Lassen Sie sich nicht irritieren dadurch, dass im Rahmen eines standarisierten Routineschreibens der Krankenkasse Sie jetzt alle fünf Jahre an die Vorsorgeuntersuchung erinnert werden sollen.

Auch diese Fünfjahresfrist steht in keinem wissenschaftlich untermauerten sinnvollen  Zusammenhang zu dem für Ihre Gesundheit wichtigen Ein-Jahresintervall in der Vorsorge.

Was ist das HPV-Virus?

HPV bedeutet Humanes Papillomvirus. Humane Papillomviren bilden eine Gruppe von Viren, die in einer Eiweißkapsel Erbsubstanz des Virus, insbesondere DNS, enthalten. Über 240 verschiedene Virentypen sind bekannt. Die Viren sind mit bloßem Auge nicht sichtbar und besiedeln die menschliche Haut und Schleimhäute. HPV verursachen vor allem Erkrankungen im Schambereich (Genital-und Analregion). Eine nicht ganz seltene, sichtbare Erkrankung durch bestimmte HPV-Typen sind Feigwarzen (Kondylome).

Wie wird HPV übertragen?

Beim Geschlechtsverkehr, auch beim intimen Hautkontakt, intensiven Küssen und bei der Verwendung von Sexspielzeugen.

Wie häufig ist eine HPV-Infektion?

HPV ist hochinfektiös! Mehr als 80% der sexuell aktiven Männer und Frauen infizieren sich im Laufe ihres Lebens, nicht selten auch mehrmals. Bei etwa 80% der HPV-Infizierten ist das Virus nach etwa 12 Monaten molekularbiologisch nicht mehr nachweisbar. In den übrigen Fällen sind die Verläufe länger, bei einem kleinen Teil der Infizierten bleibt Erbsubstanz des Virus (dann überwiegend von sogenannten Hochrisikotypen) über Jahre oder Jahrzehnte in den menschlichen Zellen der Genitalschleimhaut nachweisbar (persistierende Infektion). In der Regel besteht dann keine Ansteckungsgefahr mehr, aber es können auch noch nach vielen Jahren wieder Zellveränderungen auftreten.

Die geschätzte Dauer von der HPV-Infektion bis zum Auftreten von Genitalwarzen beträgt meist 2 bis 3 Monate, gelegentlich kann auch schon nach 2 Wochen die Infektion an Zellen im Vorsorgeabstrich (vom Gebärmutterhals) sichtbar werden.

Wie viele unterschiedliche HPV-Viren gibt es?

Über 240! Wesentlich für eine Erkrankung im Genitalbereich sind davon etwa 30 verschiedene Typen. Unterschieden werden HPV-Typen, die im Gewebe von Gebärmutterhalskrebs gefunden werden (sogenannte Hochrisiko-HPV), davon sind etwa 12 Typen als potentiell krebserregend (kanzerogen) eingestuft worden (z. B. Typ 16 und 18). Andere HPV werden sehr selten oder fast nie in Karzinomen nachgewiesen (sogenannte Niedrigrisiko-HPV), davon können einzelne gutartige Genitalwarzen hervorrufen (z. B. Typ 6, 11). Alle HPV-Infektionen werden normalerweise durch die körpereigene Abwehr beseitigt, bei Infektionen mit sogenannten Hochrisiko-HPV kann das jedoch länger dauern als bei den Niedrigrisiko-Typen.

Was bedeutet es, wenn der HPV-Test positiv ausfällt?

Das bedeutet, dass eine Infektion erfolgt ist, aber nicht notwendigerweise eine Erkrankung besteht. Anhand eines einzelnen HPV-Testergebnisses kann auch nicht festgestellt werden, wann die Infektion stattgefunden hat – erst kürzlich oder schon vor vielen Jahren.

Bekomme ich Gebärmutterhals-Krebs (ein Zervixkarzinom) weil mein HPV-Test positiv ist?

Für regelmäßige Teilnehmerinnen an der Vorsorgeuntersuchung ist dieses Risiko verschwindend gering.

Damit eine Krebserkrankung entsteht, müssen in den Körperzellen zahlreiche Störungen nacheinander auftreten. Nur wenn diese durch die Reparaturmechanismen und Abwehrsysteme des Körpers nicht beseitigt werden können, treten Zellatypien auf, die zu einem Karzinom führen können. Die Vorstufen der Krebserkrankung werden in der Regel im Zellabstrich erkannt, der bei den Vorsorgeuntersuchungen abgenommen wird. Dann kann eine Behandlung erfolgen noch bevor es zum Ausbruch der Krebserkrankung kommt.

Wie zuverlässig ist ein HPV Test?

Sehr zuverlässig. Mit modernen HPV-Testverfahren sind fälschlich positive Untersuchungs­ergebnisse eine Rarität. Allerdings kann der Test selten einmal falsch negativ sein, z.B. wenn die Menge an HPV-Material zu gering ist.

Muss eine HPV-Impfung wiederholt werden?

Wenn eine HPV-Impfung korrekt erfolgt ist, besteht derzeit keine Notwendigkeit für eine Auffrischimpfung.

Wie unterscheidet sich ein HPV-Test vom „Pap-Test“?

Die gynäkologische Abstrichuntersuchung (der „Pap-Test“) sucht nach Zellveränderungen. Wenn dadurch Vorstufen einer Krebserkrankung entdeckt werden, kann eine Behandlung erfolgen und die Patientin ist geheilt.

Der HPV-Test untersucht auf eine Infektion durch HP-Viren. Wenn das Testergebnis negativ ausfällt (keine Virusbestandteile nachweisbar sind) ist eine Erkrankung an Gebärmutterhals­krebs oder dessen Vorstadium weitgehend ausgeschlossen.

Wann und wie oft sollte ein HPV-Test gemacht werden?

HPV-Tests eignen sich nach vielen Expertenmeinungen nicht als alleinige Methode zur Vorsorge des Zervixkarzinoms. Ein HPV-Test ist hilfreich, wenn der Befund eines Abstrichs kein eindeutiges Ergebnis bringt. Auch zur Kontrolle, ob das HPV durch eine Behandlung wegen starken Zellveränderungen oder einem Karzinom beseitigt wurde, ist das HPV-Testverfahren geeignet

Wird der HPV-Test von der Krankenkasse bezahlt?

Der HPV-Test wird von den Krankenkassen in einigen Fällen bezahlt, wenn ein auffälliger Abstrichbefund erhoben wurde oder zur Kontrolle nach Behandlung von Tumoren, die mit einer HPV-Infektion in Zusammenhang stehen. Ab Januar 2020 ist der HPV-Test bei Frauen ab 35 Jahren zusammen mit der Abstrich­untersuchung alle drei Jahre Teil der gesetzlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchung.

Reicht der „Pap-Test“ nicht aus, um Krebs auszuschließen?

Die Zelluntersuchung des Abstrichpräparates reicht eigentlich aus, um eine Krebserkrankung auszuschließen oder die Vorstufen einer Krebserkrankung zu erkennen. Aber keine Methode ist unfehlbar. Da bei etwa 95% der Krebserkrankungen des Gebärmutterhalses HPV nachweisbar ist, kann der HPV-Test eine zusätzliche Sicherheit bieten. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei unauffälligem (negativen) Ergebnis beider Verfahren ein Zervixkarzinom oder dessen direkte Vorstufe vorliegt, ist nahezu ausgeschlossen.

Warum wird beim HPV-Test zwischen Frauen unter 35 und ab 35 Jahren unterschieden?

Bei Frauen unter 35 Jahren ist die Infektionsrate mit HPV sehr hoch (z. B. sind etwa ein Drittel der 20-jährigen Frauen HPV-Test positiv), was an der Vielzahl von vorübergehenden Infektionen liegt. Mit zunehmendem Alter kommen Neuinfektionen seltener vor, sodass ein positives HPV-Testergebnis eher Hinweis auf einen unbewältigten Infekt und selten sogar eine Erkrankung sein kann.

Wie wird HPV festgestellt?

Durch den sogenannten HPV-Test. Dabei wird im Labor nach der Erbsubstanz des Virus in den Zellen vom Schleimhautabstrich gesucht (DNS des Virus oder RNS bestimmter viraler Gene). So kann zwar festgestellt werden ob, aber nicht wann eine Infektion stattgefunden hat.

Kann die HPV-Diagnostik Fehldiagnosen verhindern? Was ist besonders wichtig?

Nicht für sich allein. Wichtig ist die gemeinsame Auswertung beider Verfahren: des Zelllabstrichbefundes und des HPV-Testergebnisses. Wichtig ist zusätzlich eine sorgfältige körperliche Untersuchung durch speziell ausgebildete Ärzte, in der Regel die Frauenärztin oder der Frauenarzt.

Wie wird HPV behandelt?

Eine HPV-Infektion kann nicht gezielt behandelt werden. Die körpereigene Abwehr (das Immunsystem) muss damit fertig werden. Maßnahmen, die die Körperabwehrleistung steigern, können unterstützend wirken.

Ist die HPV-Impfung sinnvoll?

Ja, die HPV-Impfung für Mädchen und Jungen ist sinnvoll, um das Infektionsrisiko zumindest für die sogenannten Hochrisiko-Typen und für zwei Niedrigrisiko-Typen zu reduzieren, die Genitalwarzen hervorrufen können. Auch Männer, die Überträger des Virus sind, aber nur äußerst selten an einem Peniskarzinom erkranken, können andere Krebserkrankungen erleiden, die mit einer HPV-Infektion in Zusammenhang stehen (z. B. Analkarzinome, Karzinome der Mundhöhle).

Muss eine HPV-Infektion medikamentös behandelt werden?

Nein, eine gezielte medikamentöse Behandlung ist nicht möglich.

Muss der Partner bei einem positiven HPV-Ergebnis mit behandelt werden?

Nein, auch das ist nicht möglich und in der Regel nicht sinnvoll wegen der sehr hohen Selbstheilungsrate.

Verursacht HPV immer Gebärmutterhalskrebs?

Nein, die Wahrscheinlichkeit, dass es als Folge einer HPV-Infektion zu Gebärmutterhalskrebs kommt, ist sehr gering. So gibt es nur ca. 30.000 Vorstufen und 4.400 Krebserkrankungen des Gebärmutterhalses pro Jahr, aber viele Millionen von Frauen mit einer HPV-Infektion.

Diese Zahlen belegen, dass die HPV-Infektion allein nicht ausreicht um ein Zervixkarzinom entstehen zu lassen. Insbesondere ein Teil der sogenannten Hochrisiko-Typen sind allerdings als Risikofaktor anzusehen, wenn das Virus über viele Jahre hinweg nicht vollständig aus den Körperzellen beseitigt werden konnte.

Wie kann man eine Infektion mit HPV vermeiden?

Nicht vollständig, wenn man sexuell aktiv ist. Das Tragen eines Kondoms kann das Infektionsrisiko vermindern, aber ein vollständiger Schutz vor beiderseitigem engen Hautkontakt ist praktisch nicht möglich.

Der bisher einzige Weg sich erfolgreich vor der Infektion mit den wichtigsten sogenannten Hochrisiko-HPV und den Auslösern von Genitalwarzen zu schützen ist die HPV-Impfung.